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Das schreibt die Nordwest-Zeitung

Hupkonzerte Statt Beifall:

Oberschüler aus Rodenkirchen nehmen im Auto Abschied

Von Henning Bielefeld

Diese Zeugnisübergabe auf dem Parkplatz war ein denkwürdiges Ereignis. Und das ungewöhnliche Ende eines ungewöhnlichen Schuljahres.

Das coolste Auto parkt in der zweiten Reihe. Es ist ein Ford Mercury des Baujahrs 1971, ein Amischlitten, wie er im Buche steht. „Noch mit Originallackierung“, sagt Michael Meyer, seit vier Wochen stolzer Besitzer des Straßenkreuzers. Auf der Rückbank sitzt seine Tochter Anna gemütlich in den Lederpolstern, während sie darauf wartet, ihr Abschlusszeugnis zu bekommen.

Reden aus dem Radio

Auf der rechten Seite, kurz vor der Windschutzscheibe, ragt eine ausziehbare Antenne in den wolkenverhangenen Himmel. Drinnen sind Anna, Michael und Daniela Meyer auf Empfang. Sie haben die UKW-Frequenz 96,1 angewählt und hören Henning Reimers.

Der Didaktische Leiter der Oberschule Rodenkirchen steht über den Dingen. Von einer komplett ausgefahrenen Hubbühne blickt er auf rund 60 Autos und ihre Insassen: die Abgänger der Oberschule Rodenkirchen, die an diesem Freitagmorgen ihre Abschlusszeugnisse bekommen. Sie haben sich auf dem abgesperrten Parkplatz vor dem Rathaus in Reih und Glied aufgestellt – und mit Abstand. Wegen Corona.

Henning Reimers eröffnet die ungewöhnlichste Abschlussveranstaltung, die je an der Oberschule Rodenkirchen stattgefunden hat – und wohl auch in der ganzen Wesermarsch. Liebe und Fantasie sind stärker als die Pandemie.

Zu verdanken ist diese Veranstaltung der Schulleiterin Anja Bode und dem Lehrer Carsten Freels, die sie gemeinsam entwickelt hatten, sagt Henning Reimers, ehe er eine weitere Premiere ankündigt: die stellvertretende Landrätin Ulla Schinski, das Bundesverdienstkreuz an der Brust, spricht zu den Schülern und empfiehlt ihnen: „Gestaltet eure Zukunft menschlich, gerecht und offen in einem vereinten Europa.“

Eine weitere Premiere ist der Auftritt des Bürgermeisters: „Nehmt das Abenteuer Leben an und denkt immer daran: Das Lernen ist mit dem heutigen Tag nicht zu Ende“, empfiehlt Klaus Rübesamen. Dann folgt eine dritte Premiere: Radio-Bremen-4-Morgenmoderator Keno Bergholz sendet den Schülern ein Kenogramm, demzufolge diese Feier „mit Abstand der beste Schulabschluss“ sei.

Abstand halten auch die 14 bunten Bobby-Cars in der ersten Reihe, auf denen die Schüler der Praxisklassen ihre Zeugnisse entgegennehmen wollen. Cindy Joachimsthaler hatte die Idee, und ihre Mutter besorgte die kleinen Mobile, die von Wurstbändern auf jeweils 1,50 Meter Abstand gehalten wurden.

Schulleiterin Anja Bode erinnert an eine Grundlage des menschlichen Zusammenlebens: „Der Wert eines Menschen berechnet sich nicht nach seiner Herkunft, seinem Schulabschluss oder der Zahl seiner Klicks bei Instagram, sondern nach seinen Taten.“ Wie immer kam der Beifall als Hupkonzert.

Die Lehrerin Daniela Masch dankt ihrem Sanitäts-Team Aukje Abma, Lea Böning, Johanne Frerichs, Fabian von Lienen, Levin Hansel und Thore Syassen. Den Preis des Landkreises für den besten Notendurchschnitt mit 1,0 erhält Anna-Lena Lange, auch Levin Hansel und Janina Mack werden für sehr gute Leistungen geehrt. Preise der Hofmann-Stiftung gehen an die gebürtige Armenierin Ani Poghosyan für die größte Leistungssteigerung sowie an Fabian von Lienen und Johanne Frerichs für besonderes soziales Engagement.

Alle Schüler bestanden

Die Klassenlehrer zeigen sich sehr zufrieden. Michael Wingenfeld und Berufsstartbegleiter Jörg Naß freuen sich über 11 Abschlüsse bei 13 Schülern in der Praxisklasse 9P, Katrin Welk, Uwe Branahl und Ilfan Oba darüber, dass alle Zehntklässler die Prüfungen bestanden hatten.

Die Abschlusszeugnisse bekommen die Neunt- und Zehntklässler in einem Drive-in in die Autos gereicht – auch Anna Meyer im Ford Mercury mit seinem bullernden Sound.

 

 

Foto: Foto: Dennis Weiß

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